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12. Gmünder Epilepsietag






 Pressemitteilung
11. Gmünder Epilepsietag: Motto „Epilepsie braucht Offenheit“


Die Selbsthilfegruppe für Anfallskranke in Schwäbisch Gmünd und Umgebung e.V. (SHG) sowie die Praxis Dr. med. Kirchmeier und Stephan Holzrichter (Fachärzte für Neurologie) luden am Samstag, dem 19. November zum 11. Gmünder Epilepsietag ein. Die diesjährige Veranstaltung stand unter dem Motto „Epilepsie braucht Offenheit“. Dabei konnte Dr. Kirchmeier, der schon seit vielen Jahren die Patenschaft der Selbsthilfegruppe innehat, eine stattliche Anzahl Zuhörer im voll besetzten Foyer im Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd begrüßen. Die Diagnose Epilepsie wiege schwer und verändere das Leben von einem Tag auf den anderen. Daher ist es laut Dr. Kirchmeier Ansporn und Verpflichtung zugleich, den Betroffenen stets Informationen an die Hand zu geben und den neuesten Stand der Forschung zu kommunizieren. Dr. Kirchmeier verwies auf die große Bedeutung der Kooperation zwischen Facharztpraxis und Selbsthilfegruppe.
Die Oberärztin und Neuropädiaterin der Kinder- und Jugendmedizin, Tanja Weisbrod, hieß die Teilnehmer in ihrem Hause herzlich willkommen. Sie bedankte sich bei der SHG für die Unterstützung, sowie für die Möglichkeit, als Anlaufstelle für Eltern betroffener Kinder zu dienen.
Dr. Bläse, 1. Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass die Gesellschaft und Mitarbeiter von Einrichtungen wie beispielsweise Kitas und Schulen beim Thema Inklusion vielfach überfordert seien und an ihre Grenzen stießen. Daher brauche das Thema Epilepsie sowohl Offenheit als auch Öffentlichkeit.
Im Anschluss daran folgte eine Lesung von Sarah Elise Bischof aus ihrem Buch „Panthertage- Mein Leben mit Epilepsie“. Sarah Bischof hatte mit 20 Jahren ihren ersten epileptischen Anfall aufgrund einer Fehlbildung in der Hirnrinde. Der Titel des Buches rühre von den Tagen nach einem Anfall, die so schwarz wie ein Panther sein können, aber dennoch gehe sie aus allen überstandenen Panthertagen noch stärker und stolzer hervor.
Sarah Bischof begann die Lesung mit einer sehr berührenden Schilderung der Situation nach einem epileptischen Anfall, wie sie in einem Krankenhaus wieder zu sich kommt. In ihrem Buch erzähle sie von ihrem Alltag mit Epilepsie, von Freundschaften und von ihrem Studium. Sie habe die gleichen Wünsche wie andere auch, doch vielfach werde man als Epileptiker mit Behindertenausweis abgestempelt.
Dies beschrieb sie eindrucksvoll in der Lesung von einer Szene aus ihrem Buch beim Jobcenter. In der anschließenden ausführlichen Diskussion betonte Sarah Bischof, dass es ihr ein Anliegen war das Buch zu schreiben, weil so wenig und so falsch über Epilepsie berichtet werde. Sie hoffe dadurch, die Menschen zu erreichen und mit dem Tabu zu brechen, nicht über Epilepsie zu reden..
Im nächsten Vortrag referierte der Leiter der DRK Landesschule Baden-Württemberg, Helmut Gentner, über das Thema „Erste Hilfe- Was kann ich bei einem epileptischen Anfall tun?“ Er sei mittlerweile seit über 30 Jahren in der Notfallmedizin tätig. Ziel seines Vortrages sei es, den Menschen die Angst zu nehmen, etwas Falsches zu tun. Helmut Gentner begann seine Ausführungen mit der Betrachtung der Epilepsie aus medizinischer Sicht (Arten von Epilepsien, häufigste Symptome, mögliche Ursachen). Anschließend ging er auf die Ersten-Hilfe-Maßnahmen bei einem Anfall ein. Der Betroffene sei aus einer eventuellen Gefahrenzone zu ziehen, wegen einer möglichen Verletzungsgefahr soll Störendes weggeräumt werden. Außerdem solle der Kopf unterlegt werden. Keinesfalls soll der Betroffene fixiert oder festgehalten werden, oder gar ein Beißkeil zwischen die Zähne gegeben werden. In der Regel sei der Anfall nach 2-3 Minuten beendet. Bei Komplikationen, wie beispielsweise Atemstillstand, Verletzungen durch Sturz oder Status epilepticus, müsse der Rettungsdienst gerufen werden (Tel.- Nr. 112). Nach der Beendigung des Anfalls müsse der Betroffene in die stabile Seitenlage gebracht werden. Dem sehr informativen und klaren Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an.
Im Schlusswort bedankte sich der Vorsitzende der Gmünder SHG, Klaus Meyer, bei allen Rednern und Besuchern, und lud zu der Weihnachtsfeier der SHG am 02. Dezember um 18:30 Uhr im Gasthaus „Drei König“ in Schwäbisch Gmünd ein. Im Anschluss daran hatten die Besucher noch Gelegenheit, sich an den Infoständen zu informieren, wovon sie reichlich Gebrauch machten.


 Pressemitteilung
„Gute Arbeit- trotz Handicap, Barrieren und Belastungen in vielen Lebenslagen!?“
Selbsthilfegruppen Epilepsie bei der VdK-Tagung in Heilbronn


Kürzlich nahm die Selbsthilfegruppe für Anfallskranke in Schwäbisch Gmünd und Umgebung e.V. als Aussteller beim landesweiten VdK für Behindertenvertreter und Betriebsräte teil. Auch in diesem Jahr fand die Tagung in der Harmonie in Heilbronn statt.
Das Motto der Veranstaltung lautete “Gute Arbeit- trotz Handicap, Barrieren und Belastungen in vielen Lebenslagen!?“ . Der Stand der Selbsthilfegruppe wurde von zahlreichen Betriebs- und Personalräten für einen umfassenden Informationsaus-tausch besucht. Viele Fragesteller hatten sich gewundert, dass in der Universitätsstadt Heidelberg vom Landesverband Baden-Württemberg bis heute keine Epilepsie-Selbsthilfegruppe angeboten wird. Hier konnten die Teilnehmer der Gmünder Selbsthilfegruppe an Dieter Fritzenschaft in Mannheim verweisen, der schon mehrfach als Referent beim Gmünder Epilepsietag aufgetreten ist. Die Leiterin der Epilepsie-SHG Karlsruhe hatte in ihrer Eigenschaft als Schwerbehinderten-vertreterin bei ihrem Arbeitgeber ebenso den Stand besucht. Ein ehrenamtlicher Richter wollte auch sein Wissen für den Alltag bei Gericht entsprechend vertiefen lassen.
Da auch die Öffentlichkeit der Raumschaft Heilbronn Zugang zu dieser Ausstellungsmesse hatte, kamen auch Mütter mit den verschiedensten Sorgen. Beispielsweise eine Mutter eines 18monatigen Säuglings, der jetzt mit Epilepsie behaftet ist. Auch hier konnte die Selbsthilfegruppe aktiv darauf antworten und den Rat mit auf den Weg geben, an der örtlichen Selbsthilfegruppe für Epilepsiekranke in Schwäbisch Hall teilzunehmen. Eine Epilepsiekranke berichtete, dass sie von 60 Tabletten am Tag auf eine einzige Tablette reduzieren konnte. Dazwischen lag auch ein sehr langer Zeitraum. Auch hier sieht man, so Klaus Meyer, wie hart das Krankheitsbild der Epilepsie einen treffen kann. Die Selbsthilfegruppe konnte aber auch von schönen Schilderungen berichten. Wie der einer epilepsiekranken Mutter, die ein gesundes Baby zur Welt gebracht hatte. Bei diesem Krankheitsbild Epilepsie gibt es im Alltag stets Licht und Schatten, so Klaus Meyer. Darum heißt auch das Motto der Gmünder Epilepsie-Selbsthilfegruppe „ Epilepsie braucht Offenheit!“



Nach einem sehr informativen Tag erreichten die Mitglieder der Selbsthilfegruppe um 17 Uhr wieder die Stadt Schwäbisch Gmünd.


veröffentlicht in der Gmünder Tagespost (06.08.16)
und Rems-Zeitung (06.08.16)


 Aktuelles
11. Gmünder Epilepsietag


 Aktuelles
11. Gmünder Epilepsietag


 Aktuelles
10. Gmünder Epilepsietag


 Aktuelles
Aktionstag „Hilfe zur Selbsthilfe“


Am Samstag, 26.09.15 fand im Prediger ein Aktionstag statt, an dem 19 Selbsthilfegruppen aus dem Raum Gmünds teilnahmen. Mit einem Stand war auch die Selbsthilfegruppe für Anfallskranke in Schwäbisch Gmünd und Umgebung e.V. vertreten. Interessierte Personen konnten sich über die wertvolle Arbeit der Selbsthilfegruppen informieren, erste Kontakte knüpfen und sich bestenfalls gleich einer Selbsthilfegruppe anschließen.


Die Schirmherrschaft für den Aktionstag hatte OB Richard Arnold gerne übernommen. „Die Selbsthilfegruppen sind ein Kompetenzzentrum für wichtige Probleme, die Selbsthilfegruppen wissen, wie es geht“. Danach referierte Klaus-Peter Sorg von der SHG Prostatakrebs allgemein über den Sinn und Zweck von Selbsthilfegruppen.


Im anschließenden Vortrag berichtete der Vorsitzende der SHG Epilepsie, Klaus Meyer eindrucksvoll von seinem Leben mit der Epilepsie. Bis im Alter von 19 Jahren waren seine Grand-Mal-Anfälle überwiegend während der Nacht aufgetreten, seit 1980 kamen sie auch am Tag. Klaus Meyer erzählte über seine Probleme mit dem Führerschein. Nach einer Wartezeit von 17 Jahren bekam er nach Anfallsfreiheit den Führerschein, musste aber aufgrund eines Anfalls gleich wieder pausieren. Seit 2011 ist er anfallsfrei und darf wieder fahren. Klaus Meyer berichtete weiterhin, dass ihm sein Krankheitsbild u.a. die Partnersuche erschwerte. „Glücklicherweise traf ich bei einem Gran Canaria Urlaub 1979 meine heutige Frau Jutta, die meiner Krankheit großes Vertrauen entgegenbrachte, und mir mit der Familie großen Rückhalt bedeutet“.


Auf Drängen seiner Frau besuchte Klaus Meyer erstmals im Februar 1994 ein Treffen der SHG Epilepsie im „Cafe Margret“. Seit März 1994 leitet er die Selbsthilfegruppe Epilepsie Schwäbisch Gmünd. Klaus Meyer betonte die große Bedeutung der Selbsthilfegruppe, und gab einen kurzen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten der SHG (Sprechstunden , monatliches Gruppentreffen, jährliche Veranstaltung eines Epilepsietages, Infostände, Kontaktaustausch mit anderen SHG`s, Jahresausflug, Sommerfest, usw.). Außerdem erwähnte Klaus Meyer stolz, das die SHG in Schwäbisch Gmünd die einzige SHG in Baden-Württemberg sei, die ein eigenes Büro habe. Abschließend zog Klaus Meyer sein Resümee: “Dank einem vernünftigen Lebensrhythmus, mit ausreichendem Schlaf, sowie pünktlicher und regelmäßiger Medikamenteneinnahme, geht es uns gut. Ganz wichtig ist auch der regelmäßige Arztbesuch beim Hausarzt und Neurologen.“


Im Anschluss daran hatten interessierte Bürger Gelegenheit, sich an den Infoständen der verschiedenen SHG`s zu informieren, wovon sie auch reichlich Gebrauch machten.




 Aktuelles
Aktionstag - 26. September 2015





 Aktuelles
Informationsabend - 12. Juni 2015




 Aktuelles
9. Gmünder Epilepsietag: Epilepsie kann jeden treffen- in jedem Alter

Die Selbsthilfegruppe für Anfallskranke in Schwäbisch Gmünd und Umgebung e.V. (SHG) sowie die Praxis Dr. med. Kirchmeier (Facharzt für Neurologie und Psychiatrie) luden am Samstag, 15. November zum 9. Gmünder Epilepsietag ein. Dabei konnte Dr. Kirchmeier eine stattliche Anzahl Zuhörer im voll besetzten großen Saal der Krankenpflegeschule im Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd begrüßen. Dr. Kirchmeier, der schon seit vielen Jahren die Patenschaft der Selbsthilfegruppe innehat, gratulierte der SHG zu ihrem 25-jährigen Vereinsjubiläum. „Ihre Arbeit trägt nun Früchte“. Er dankte der SHG für ihr Engagement, im öffentlichen Leben Vorurteile gegenüber der Krankheit abzubauen, und für einen entspannten Umgang mit der Krankheit auch am Arbeitsplatz beizutragen.


Dr. Bläse, 1. Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd, bedankte sich bei der SHG und bei Dr. Kirchmeier für ihre Arbeit. Er würdigte ihr Bemühen für mehr Offenheit für das Krankheitsbild Epilepsie, und appellierte an die Pressevertreter, das Thema Epilepsie nach außen zu tragen.
Der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Riedel, hieß die Teilnehmer in seinem Hause herzlich willkommen. Er berichtete, dass mit Oberärztin Tanja Weisbrod und Dr. Keimer zwei Experten für Neuropädiatrie zur Verfügung stehen. Mittlerweile sei ein Bedarf an Neuropädiatern vorhanden, viele Kliniken hätten sogar keine mehr. Funktionsoberärztin Tanja Weisbrod unterstütze zudem die SHG als Patin bei allen Fragen zur Epilepsie im Kinder- und Jugendlichenbereich.


Anschließend sprach die 1. Vorsitzende des Landesverbands der Epilepsie-Selbsthilfegruppen Baden-Württembergs, Rosemarie Keller, ein Grußwort.


Dann schloss sich ein Rückblick zum Vereinsjubiläum über 25 Jahre Selbsthilfegruppe für Anfallskranke in Schwäbisch Gmünd und Umgebung e.V. vom 1.Vorsitzenden der SHG, Klaus Meyer, an. Die SHG stehe allen Betroffenen, Angehörigen und Interessierten mit Rat und Tat zur Seite. Ziel der Vereinsarbeit sei es, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, damit man sich im Alltag gegenseitig unterstützen könne. Klaus Meyer hob hervor, dass vor 25 Jahren nur in Stuttgart die Möglichkeit für Epilepsiekranke bestand, sich darüber zu informieren und auszutauschen. So hatten sich 1989 fünf anfallskranke Menschen in Schwäbisch Gmünd zusammengetan, um eine Gruppe mit Epilepsie zu gründen. Mittlerweile hat Klaus Meyer bereits seit 20 Jahren das Amt des 1. Vorsitzenden der Epilepsiegruppe inne. „Es macht mir trotz mancher Strapazen eine große Freude, mich nicht nur für die Betroffenen und deren Angehörigen gezielt an den Gruppenabenden einzusetzen.“ Die Gruppenabende fanden anfangs in einem Nebenzimmer des Gasthaus „Weißer Ochsen“ in Schwäbisch Gmünd statt. Nach Schließung der Gaststätte im April 2004 konnte ein eigenes Büro in der Kappelgasse 13 in der Stadtmitte von Schwäbisch Gmünd eröffnet werden. Klaus Meyer berichtete, dass sich die SHG dort jeweils am letzten Mittwoch im Monat um 19:00 Uhr treffe. Als weiterer Service stehe Betroffenen und Interessierten die Sprechstunden am 2. und 4. Donnerstag im Monat von 16:00 – 17:30 Uhr zur Verfügung.


Klaus Meyer bedankte sich bei Birgit Baur, die 10 Jahre lang als 2. Vorsitzende an seiner Seite stand. Sie ist insbesondere bemüht, durch Öffentlichkeitsarbeit Aufklärung über die Krankheit zu leisten. So finden beispielsweise Fortbildungsveranstaltungen im Institut für sozialpädagogische Berufe für angehende Erzieherinnen, oder beim DRK in Schwäbisch Gmünd statt.


Weiter berichtete Klaus Meyer, dass vor 10 Jahren die jetzige Selbsthilfegruppe als eingetragener Verein registriert wurde. Im März 2014 fand ein Wechsel statt: Ruzica Jakovljevic trat als 2. Vorsitzende die Nachfolge von Birgit Baur an, die aber weiterhin im Beirat der SHG ist. Wichtig ist laut Klaus Meyer auch die Pflege und der regelmäßige Austausch mit anderen SHG`s. So werden mit den SHG`s in Darmstadt, Mannheim, Karlsruhe und Ludwigsburg gemeinsame Ausflüge durchgeführt, beispielsweise nach Bad Mergentheim, Insel Mainau, Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd. Als weiteres Angebot der SHG führte Klaus Meyer die alljährlich im Sommer stattfindenden Grillfeiern bei der Familie Baur an. Dort können die Teilnehmer bei einem gemütlichen Austausch außerhalb des Krankheitsbildes die Kontakte hegen und pflegen. „Wir freuen uns dort stets über neue Gesichter“.


Außerdem hob Klaus Meyer die enge Verbindung mit Dr. Kirchmeier hervor, der bereits seit 9 Jahren das Amt des Paten ausübe. Zusammen mit Dr. Kirchmeier werden gemeinsam die Gmünder Epilepsietage gestaltet. Hierfür konnten renommierte Referenten, wie beispielsweise Prof. Dr. med. Andreas Schulz-Bonhage, Dr. med. Dieter Dennig oder Dr. med. Michael Lang gewonnen werden. Klaus Meyer betonte zudem die große Bedeutung der Partnerschaft zu Einrichtungen wie beispielsweise des VdK-Kreisverband Schwäbisch Gmünd oder der Lebenshilfe Schwäbisch Gmünd.


Er freue sich, dass zum 25-jährigen Vereinsjubiläum zum ersten Mal in Baden-Württemberg das Bühnenstück „Steile Welle“ in Schwäbisch Gmünd aufgeführt wurde. Die Zuschauer hatten sehr interessante Ansichten angetroffen, wie sie vorher das Krankheitsbild noch nicht gesehen hätten. Klaus Meyer schloss seinen Rückblick mit den Worten :“ Wir haben alle unsere Anfälle, ob wir es wissen oder nicht.“


Klaus Meyer war stolz, als nächsten Referenten den Ärztlichen Direktor des Epilepsiezentrums Kork, Prof. Dr. Bernhard Steinhoff begrüßen zu können. Prof. Steinhoff gehöre nach den Daten des Klinikführers der Technischen Krankenkasse (TK) zu den besten 100 Ärzten in Deutschland, wobei er als einziger Epileptologe vertreten sei.


Prof. Steinhoff referierte über das Thema „Epilepsie kann jeden treffen- in jedem Alter“. Er begann seinen Vortrag mit einem geschichtlichen Abriss der Epilepsie. Die Epilepsie sei so alt wie die Menschheit. Der griechische Arzt Hippokrates prägte erstmals den Begriff Epilepsie (von epilambanein = gepackt werden). Damit komme die Ungewissheit zum Ausdruck, wann und wie oft ein Anfall komme, was schwierig für die Betroffenen sei. Prof. Steinhoff stellte eine Definition der Epilepsie vor als Zustand des Gehirns, das andauernd epileptische Anfälle generiere. Die Ursachen der Epilepsie seien vielfältig, wie beispielsweise Tumore, genetische Ursachen, Störungen der Architektur des Gehirns sowie das Zusammenkommen mehrerer verschiedener Faktoren. Epilepsie kann laut Prof. Steinhoff in jedem Lebensalter beginnen und jeden treffen. Ein wesentlicher Neuerkrankungsgipfel liege aber im höheren Lebensalter. Prof. Steinhoff führte aus, dass die Epilepsie keine seltene Krankheit sei: ca. 600.000 Bundesbürger erleiden zumindest ein Mal im Leben einen epileptischen Anfall. Die Epilepsie trete damit 10 Mal häufiger auf als multiple Sklerose.


Prof. Steinhoff berichtete, dass Epilepsien grundsätzlich auch bei allen Tieren mit einer Großhirnrinde auftreten können. Zu Untersuchungszwecken werde häufig die mongolische Wüstenmaus herangezogen, da alle Tiere unter Epilepsie litten. Die Tiere reagierten auf Geräusche mit Anfällen. Das berühmteste Tier mit Epilepsie sei wohl Knut, der Eisbär. Er ertrank im Berliner Zoo vermutlich aufgrund eines Anfalls.
Danach führte Prof. Steinhoff aus, dass es im Laufe der Geschichte immer wieder berühmte Persönlichkeiten mit Anfällen gab, was Betroffenen Mut machen sollte: z.B. Paulus, Cäsar, Elton John, Schostakowitsch, Nobel, Mohammed, Neill Young. Insbesondere die Schläfenlappen-Epilepsie des russischen Schriftstellers Dostojewski war insofern interessant, als dass Dostojewski seine Empfindungen während der Auren bis dato am Besten beschreiben konnte.


Dann ging Prof. Steinhoff auf soziale Aspekte der Epilepsie ein, und berichtete über Stigmatisierungen von Menschen mit Epilepsie. So sei es bis im Jahr 1970 in England verboten gewesen, eine Ehe mit einem Epileptiker einzugehen. Und bis im Jahr 1970 war es in den USA legal, Personen mit Epilepsie am Zutritt in Restaurants, Theater und anderen öffentlichen Einrichtungen zu hindern. Weiterhin stellte Prof. Steinhoff Daten aus der Emnid-Studie 2008 vor: Beispielsweise kennen mehr als 90% große Anfälle, und mehr als 68% wüssten nicht, was im Falle eines Anfalls zu tun wäre. Prof. Steinhoff schloss seine Ausführungen mit einem Zitat des Philosophen Immanuel Kant: „ Aufklärung ist entscheidend, um Vorurteile und Ressentiments zu überwinden“.


Daraufhin ging Prof. Steinhoff auf Therapiemöglichkeiten ein, wie Regeln zur Lebensführung (Schlaf, Alkoholkonsum), medikamentöse Therapien (dabei sind 2/3 der Patienten praktisch anfallsfrei, bei 1/3 bleibt es schwierig), Epilepsie-Chirurgie, Diäten (z.B. ketogene Diät) und Neurostimulation. Die beiden letztgenannten Therapien seine Spezialfälle und sollten daher in Spezialzentren durchgeführt werden.


Prof. Steinhoff berichtete anschließend über Antiepileptika, und stellte Medikamente der 1. und 2. Generation vor (z.B. Bromide, Carpamazepin, Valproat). Ab dem Jahr 1992 kamen viele Antiepileptika der 3. Generation dazu (z.B. Topiramat, Levetiracetam, Lamotrigin). Damit ließen sich laut Prof. Steinhoff zwar bessere Wirkungen und Behandlungen erzielen, die Quote der schwer behandelbaren Patienten (1/3) ließ sich aber nicht deutlich senken. Prof. Steinhoff wie darauf hin, dass die Therapien jeweils individualspezifisch auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten werden müssen. Abschließend berichtete Prof. Steinhoff noch über das Problem mit dem Arzneimittelneubewertungsgesetz, bei dem der Zusatznutzen mancher neuer Antiepileptika nicht anerkannt wurde, und sie daher vom Markt genommen wurden. Er appellierte in diesem Fall an die betroffenen Patienten, aktiv zu werden. Bei der anschließenden langen Diskussionsrunde ging Prof. Steinhoff ausführlich auf die vielen Fragen der Teilnehmer ein.


Im nächsten Vortrag stellte Jörg Sadowski, Geschäftsführer der Lebenshilfe e.V., die Arbeit der Lebenshilfe vor. Die Lebenshilfe wurde 1968 gegründet. Dabei stand der Selbsthilfegedanke im Vordergrund. Jörg Sadowski berichtete, dass behinderte Menschen in dieser Zeit in Deutschland noch ausgegrenzt und versteckt wurden, keine Arbeit hatten und nicht zur Schule durften. Seitdem wurde einiges erschaffen und aufgebaut.


Inzwischen gebe es bei der Lebenshilfe einen großen Kindergartenbereich mit 6 Gruppen. Dabei sei von Anfang an wichtig gewesen, dass die Menschen mit Behinderung nicht nur zentral untergebracht sind und Kontakt zu anderen Menschen haben. Der Kindergarten Sterntaler feierte im Juli diesen Jahres sein 40-jähriges Bestehen. Allerdings werde es Veränderungen im Kindergarten-Bereich geben. Laut einer Prognose werde es in 10 Jahren keinen reinen Sonderschulkindergarten mehr geben.


Eine Aufgabe der Lebenshilfe seien die Familienunterstützenden Dienste. Diese betreuen ca. 1000 Menschen mit Behinderung im Kreis Schwäbisch Gmünd in ihrer Freizeit. Kegeln, Tanzen, Zusammen sein, aber auch gemeinsam in den Urlaub fahren (z.B. Mallorca, Bayerischer Wald) stehe hier auf dem Programm.


Außerdem stellte Jörg Sadowski die Angebote der Lebenshilfe im Bereich Wohnen vor. Die Lebenshilfe habe 1 Wohnheim und 4 Wohngemeinschaften in Gmünder Gemeinden aufgebaut. Dabei sie Dezentralität und Wohnen in der Gemeinde schon immer eine Selbstverständlichkeit bei der Lebenhilfe gewesen. Mittlerweile werden hier 60 Menschen mit Behinderung betreut und begleitet. Daneben bietet die Lebenshilfe in den Ambulanten Hilfen auch die Betreuung in den eigenen Wohnungen an. Für die Lebenshilfe sei es wichtig, dass der Mensch mit Behinderung selbst bestimmen soll und darf, wie er leben mag. Er soll keinesfalls isoliert sein und bei der großen Familie Lebenshilfe gut aufgehoben sein.


Jörg Sadowski führte aus, dass sich der Verein mittlerweile zu einem mittelständischen Unternehmen mit ca. 120 Mitarbeitern gewandelt habe. Selbstverständlich bestimmten auch wirtschaftliche Aspekte die Arbeit der Lebenshilfe, aber dennoch stehe der Mensch und der Selbsthilfegedanken im Vordergrund. Ein Beleg hierfür sei der Vorstand, der größtenteils aus Angehörigen und Eltern bestehe. Ein anderes Beispiel sei die neue Gründung der kleinen Selbsthilfegruppe „Jule“ innerhalb der Lebenhilfe. Jule stehe für „junge Lebenshilfe“, bei der sich Eltern zusammengeschlossen haben, die etwas für ihre Kinder tun wollen. Jörg Sadowski stellte außerdem dar, dass die Lebenshilfe zum Thema Inklusion auch politisch aktiv sei. Er führte als Beispiele die Tätigkeiten im Beirat der Stadt Schwäbisch Gmünd, in der Aktion Netzwerk und im Landesverband an. Als Fazit beschrieb er das Ziel einer Gesellschaft, in der Teilhabe, Solidarität und Inklusion keine fremden inhaltslosen Begriffe sind.


Abschließend ging Jörg Sadowski auf die Kooperation mit der Selbsthilfegruppe für Anfallskranke ein. Dabei lobte er die ausgezeichnete Zusammenarbeit miteinander. Die Netzwerkbildung und Solidarität zwischen den Selbsthilfegruppen und eine gemeinsame Unterstützung ständen im Vordergrund. Das hohe praktische Fachwissen der Selbsthilfegruppe für Anfallskranke könne kein Lehrbuch ersetzen. So würden spezielle Fragen der Lebenshilfe zu Menschen mit Epilepsie, welche sie betreut, gemeinsam besprochen und erörtert. Außerdem schule die SHG die Mitarbeiter der Lebenshilfe in Theorie und Umgang mit Menschen mit Epilepsie, z. B. im Bereich Fahrdienst. Zudem mache die SHG am jährlichen Sommerfest der Lebenshilfe immer einen Informationsstand, der auch gut angenommen wird. Am Ende des Vortrags dankte Jörg Sadowski der SHG für die erfolgreiche Kooperation.


Zum Abschluss der Veranstaltung führte die Jazztanzgruppe der Lebenshilfe, LH-Dancers, noch zwei Tänze mit flotten Rhythmen auf. Für die gelungene Darbietung bekam die Tanzgruppe einen herzlichen Applaus.


Im Schlusswort bedankte sich der Vorsitzende der Gmünder SHG, Klaus Meyer, bei allen Rednern und Tänzern, und lud zu der Weihnachtsfeier der SHG am 28. November um 18:30 Uhr im „Kapperle“ in Unterbettringen ein.


 Aktuelles
Zum ersten Mal in Baden-Württemberg



Zum Auftakt des 25. jährigen Vereinsjumbiläums der Selbshifegruppe für Anfallskranke in Schwäbisch Gmünd und Umgebung e.V. wurde das Solo-Theaterstück "Steile Welle" vom Marion Witt und Hans König erstmals in Baden-Württemberg aufgeführt.



Ein Stück zwischen Fallsucht und Sehnsucht


Im Mittelpunkt des Stückes steht Ursula, die seit 25 Jahren an einer Epilepsie leidet. Sie nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise durch EEG-Kurven und "steilen Wellen". Ursula bewegt sich durch ihr Leben und ihre Träume und berichtet von Begehren und Aufbegehren.


"Steile Welle" ist ein Beispiel für unseren persönlichen und sozialen Umgang mit Krankheit und Anders-Sein. „Wir haben alle unsere Anfälle, ob wir es wissen oder nicht“, lautet die provokante These des Theaterstückes.



Stand: 02.10.2017